Instandsetzung der Ev.-luth. Michaels-Kirche

1.Bauabschnitt: Dachistandsetzung, Gewölbesicherung, Ostjoch und Reparatur Ostgiebel
Seit geraumer Zeit stehen Gerüste an den Längswänden und am Ostgiebel der Michaels-Kirche. Zimmerleute haben die Dacheindeckung an den Traufen aufgenommen und an den Fußpunkten der hölzernen Dachkonstruktion fleißig gearbeitet sowie tüchtige Maurer zwei neue Wandpfeiler von Grund auf neu aufgemauert. Außerdem wurde der Ostgiebel in mühevoller Kleinarbeit repariert.
Im Innern der Kirche fielen bis zum 18. September neben den Spuren einer Bohrung nur die Ostfenster auf, wo Spanplatten die zur Reparatur herausgenommenen Bleifenster notdürftig ersetzten. Ansonsten fragte man sich, wann der sehr vergraute Wandanstrich endlich erneuert wird. So komme ich gern der Bitte von Pastor Buisman nach, für diese Ausgabe des Gemeindebriefes einen Abriß des bisherigen Baugeschehens und einen Ausblick auf Zukünftiges zu geben.
Chor und Schiff der Michaels- Kirche wurden aus Feldsteinen Anfang des 13. Jahrhunderts mit einem gerade geschlossenem Chorjoch gebaut. Um 1270/80 erfolgte ein Ausbau in Backstein und eine Einwölbung, sodaß man das Gebäude als spätromanische, gewölbte Saalkirche mit rechteckigem Chor bezeichnet.
Der mächtige Westturm wurde ebenfalls in Backstein und rundbogigen gekuppelten Schallarkaden errichtet. Den hohen Pyramidenhelm kann man von weit her sehen. Er will uns damit sagen: Hier ist eine mehr als 700 Jahre alte Stätte christlichen Glaubens. Das Schiff ist verputzt, die Fenster an den Längsseiten wurden im Barock stark erweitert, damit mehr Tageslicht in den Kirchsaal fällt. Seit längerer Zeit reißen die Gewölbe über den vier Jochen der Kirche. Dies hat im wesentlichen zwei Ursachen:
1.
Die ohnehin unterdimensionierten und durch die Fenstervergrößerungen noch weiter geschwächten Längswände können die Kräfte aus den sehr schweren - nachträglich eingebauten - Gewölben nicht mehr vollständig aufnehmen und weichen nach außen aus.
2.
Die Fußpunkte der Dachkonstruktion sind beschädigt, d.h. Sparrenfüße und Fußschwellen sind verfault, so daß die Lasten aus dem Dach (Eigengewicht, aber insbesondere horizontale Windlasten) nicht mehr vollständig vertikal in die Außenwände abgeleitet werden und ebenfalls die Mauerkronen der Außenwände nach außen drücken.

Wenn man einer derartigen Entwicklung nicht energisch entgegenwirkt, stürzen über kurz oder lang die Gewölbe ein. Anderenorts wurden früher derartige Gewölbe auch wieder ausgebaut. In Heiligenfelde hat sich der Kirchenvorstand in Zusammenarbeit mit dem Amt für Bau- und Kunstpflege Verden entschlossen, Instandsetzungsmaßnahmen zur Erhaltung des nicht mehr sehr häufig vorzufindenden Kirchgebäudes aus spätromanischer Zeit durchzuführen. Dazu wurden bisher unter Projektierung und Bauleitung eines hannoverschen Ingenieurbüros im wesentlichen zwei Dinge realisiert:
1. Dachinstansetzung, d.h. Auswechslung der zerstörten Sparrenfüße und Schwellen sowie Einbau von zwei biegesteifen Horizontalträgern aus V4A- Stahl zur Aufnahme der Horizontalkräfte aus dem Dach. Für den Einbau der Stahlträger stand nur sehr wenig Raum zur Verfügung, weil die Gewölbe bis dicht an den Mauerkronen der Außenwände heranreichen und - auch nicht teilweise - abgeschlagen werden durften. So mußten die Zimmerleute in wahrer Kleinarbeit Sparrenpaar für Sparrenpaar vom Außengerüst bei teilweise schlechtem Wetter sehr sorgfältig instandsetzen. Auf diese Art und Weise ist inzwischen das gesamte Dach gesichert. Für die Stahlträger wurde hochwertiges Material verwen- det, weil die Einbauorte, d.h. die Mauerkronen, teilweise absolut unzugänglich sind und deshalb auch bei regelmäßigen Baubegehungen eventuelle neue Schäden durch eindringendes Wasser fast nicht festgestellt werden können.
2. Die neuen Mauerpfeiler verstärken die Längswände in den Bereichen, in denen die Lasten der gemauerten, sehr schweren Gewölbe aufgenommen werden müssen. Als Alternative zu den neuen Wandpfeilern wären nur Spannanker denkbar gewesen, die allerdings so tief gehangen hätten, daß sie fast durch die Kanzel gestoßen wären und den relativ niedrigen Kirchsaal erheblich beeinträchtigt hätten. Wandpfeiler sind bisher nur dort gebaut worden, wo es zur Sicherung des östlichen Joches erforderlich war. Weitere Pfeiler sind noch erforderlich, - doch dazu später etwas mehr.
Außerdem wurde im 1. Bauabschnitt die Ostwand repariert. Das bedeutete im wesentlichen die Abnahme des zu harten Zementputzes, das Öffnen der Risse und Neuverfugung der gesamten Außenwand, um zukünftig eindringendes Regen-wasser zu vermeiden. Durch die vielen Eingriffe der vergangenen Jahrzehnte verzeichnet der Ostgiebel eine sehr vielschichtige Oberflächenstruktur. So ist in diesen Tagen ein Restaurator damit beschäftigt, eine dünne rötliche Tünche (manche sagen auch Schlämme) auf die Ostwand aufzubringen, um die verschiedenen Mauerwerkspartien zusammenzuziehen. Gleichzeitig wird damit der Witterungsschutz der Ostwand noch einmal etwas verbessert.
Dies alles wurde nur möglich durch finanzielle Unterstützung der Hannoverschen Landeskirche, des Kirchenkreises Syke, der Bezirksregierung und des Amtes für Agrarstruktur Sulingen. Allen Stellen sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.
Im 2. Bauabschnitt sind folgende Maßnahmen geplant: die Sicherung der übrigen Gewölbe, d.h. Neubau eines oder mehrerer Wandpfeiler, Sicherung des Kirchturmes, Neuver- malung im Innern und Äußeren sowie Ergänzung von Heizungs- und Beleuchtungsanlage.
Verden, den 21.9.98 Baudirektor i. K. Klaus Lünstedt Leiter des Amtes für Bau- und Kunstpflege Verden